Der Blog von Dirk Hohnsträter
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iA Writer 3 – Wie gut ist die App?

iA Writer war ein Geniestreich, iA Writer Pro eine Kopfgeburt. Jetzt gibt es iA Writer 3. Ich habe die Anwendung getestet. Hier sind meine Erfahrungen.

HINWEIS: DIESER ARTIKEL BESPRICHT EINE ÄLTERE VERSION VON IA WRITER, DIE NICHT MEHR ANGEBOTEN WIRD. IN EINEM NEUEREN BEITRAG BESPRECHE ICH WRITER 4 & 5.

iA Writer ist eine Schreibsoftware, die auf Mac, iPhone, iPad und Android-Geräten Dokumente im .txt-Format erstellt. Jeder Post dieses Blogs wird mit ihr geschrieben. In ihrer ersten Fassung war die App bahnbrechend, weil sie mit der Überfrachtung von Textverarbeitungsprogrammen brach und ein konzentriertes Schreiberlebnis ermöglichte. Im Gegensatz zum enormen Erfolg der klassischen Version sorgte die zweite – iA Writer Pro – für heftige Diskussionen, da ihre Ausrichtung an kreativen Prozessen von vielen Nutzern als künstlich und konstruiert wahrgenommen wurde. Unterdessen wird iA Writer Classic nicht weiter aktualisiert, während iA Writer Pro bei allen Nutzern durch iA Writer 3, die aktuelle Fassung, ersetzt worden ist. Kurzum: iA Writer 3 ist jetzt iA Writer. Lohnt sich die Anschaffung?

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Das Erbe von iA Writer Classic: Fokus

Auf den ersten Blick gleicht iA Writer 3 eher iA Writer Classic als iA Writer Pro und kehrt damit zum größten Vorzug der ersten Fassung zurück: radikaler Einfachheit. Dass die App trotz erheblicher Steigerung ihres Funktionsumfangs nicht überladen daherkommt, ist eine beeindruckende Gestaltungsleistung. Die auch von mir monierte, störende Seitenleiste ist einer intelligenteren Menüführung gewichen, die unter anderem durch die dezente, multifunktionale Fußleiste erfolgt und Wischgesten nutzt. Anstelle der gelbstichigen Hintergrundfarbe gibt es wieder ein augenfreundliches Grau, der Kontrast zur Schriftfarbe sitzt perfekt (auch im Nachtmodus), und auch das Hellblau als Cursor- und Navigationsfarbe ist gut gewählt – so angenehm kann das Arbeiten auf dem Computer sein…

iA Writer 3 Mac

iA Writer 3 umfasst zahlreiche Vorzüge der früheren Versionen, die bereits so selbstverständlich geworden sind, dass ich sie mir für diese Besprechung noch einmal neu vor Augen führen musste, darunter vorzügliche Typographie, automatisches Zwischenspeichern und eine effiziente Rechtschreibprüfung in mehreren Sprachen.

Das Erbe von iA Writer Pro: Workflow

Während Writer Classic in Writer 3 sehr präsent ist, blieb von der Writer Pro dominierenden Idee räumlich (und nicht linear-zeitlich) strukturierter Kreativität wenig bestehen. Die Information Architects räumen ein, den Gedanken verworfen zu haben, „that a writing workflow can or should be separated into distinct steps, and that these steps should be coded into the file extension“. Die Zuordnung von Dokumenten zu den Kategorien Note, Write, Edit und Read erfolgt also nicht mehr über Schriftarten, Farben (die jetzt zur Syntaxkontrolle eingesetzt werden) und Dateierweiterungen (die alten, farbig markierten Endungen werden jedoch weiterhin unterstützt), sondern über Ordner – mit anderen Worten, sie erfolgt äußerst lose und auf keine Weise, die man nicht auf Betriebssystemsebene selbst einrichten könnte.

iA Writer 3 iOS Nightmode

Geblieben ist die Trennung zwischen der Markdown-Ansicht und der formatierten Voransicht, die jetzt bequem mit einer Wischgeste zu erreichen ist und durch benutzerdefinierte (und wie Webpages programmierte) Stilvorlagen (Templates) variiert werden kann. Diese Previews kann man zudem als pdf exportieren und beim Drucken verwenden. Weitere Workflow-Erleichterungen sind die Echtzeit-Synchronisation mit iCloud- und Dropbox (es genügt eine Wischbewegung, um Zugriff auf alle Dokumente zu haben) sowie der Export zu WordPress und Medium.

iA Writer 3: schlank, formatierbar und nicht-proprietär

An einem durchschnittlichen Arbeitstag tippt man Textnachrichten und E-Mails, nutzt die Notiz-App auf dem iPhone oder iPad, schreibt einen längeren Text mit Apple Pages und ist gezwungen, Korrekturen und Kommentare daran mit Microsoft Word vorzunehmen, weil das häßlichste aller Textverarbeitungsprogramme sich noch immer als Bürostandard hält, überträgt Passagen in WordPress, kopiert, fügt ein, druckt aus. Wie all das kompatibel halten, ohne sich von proprietären Standards abhängig zu machen? iA:

„The notion that you need to install a certain version of an app on a certain version of an operating system to open a file sounds like a joke. In order to be shareable between different apps and platforms, the text itself needs to be free of the shackles of app, platform or device.“

„What is fundamental is the ability to copy-paste your text back and forth without losing formatting or information.“

Um diese Kompatibilität zu ermöglichen, verwendet das Programm die zunächst wenig attraktiv anmutende Markdown-Sprache, und deshalb trennt Writer zwischen der normalen Arbeitsansicht und der formatierten Vorschau-Ansicht, die auch dem Export ins .docx- und .pdf-Format dient. Sie ist ein Angebot, zwischen proprietären Plattformen unabhängig zu bleiben, auf eine Weise, die schlank codiert und dadurch robust und schnell ist, um workflowdienliche Funktionen erweitert, die Konzentration fördernd, gestalterisch durchdacht und ästhetisch ansprechend. Das mag nicht das letzte Wort in Sachen digitaler Textverarbeitung sein, aber es kommt aus der richtigen Haltung heraus, leistet viel, vermeidet die Fehler der Vorgängerversion und bleibt nah dran an der Magie der ursprünglichen App.

22. Juli 2016