INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Neapolitanische Pizza in Köln und Berlin

Sie heißen Standard und 485 Grad und beweisen, wie gut eine Pizza schmecken kann.

Nur eine Sache machen und diese gut machen: Bei Standard im Hipsterland zwischen Berlin Mitte und Prenzlauer Berg konzentriert man sich darauf, aus hochwertigen Zutaten wie Fior di latte und San Marzano Tomaten im neapolitanischen Kuppelofen eine erstklassige Pizza herzustellen. Besonders ansprechend gelingt dies bei der regionalisierten Variante Taste of Brandenburg, die mit Kartoffeln und Wildschweinsalsiccia belegt ist (11,50 Euro). Ein smarter Sattmacher mit klaren Eigenaromen.

Pizza Standard Berlin

Fällt die Pizza in Berlin recht dick und fluffig aus, ist sie bei 485 Grad in Köln ein wenig dünner und knuspriger, aber nicht minder überzeugend. In der Südstadt ruht der Teig 72 Stunden, bis er nur eine Minute lang im 485 Grad heißen Ofen gebacken wird. Mit Bio-Tomaten aus der Eifel und Fior di Latte belegt, ergibt sich schon bei einer einfachen Margherita ein volles Aroma. 485 Grad bietet ebenfalls kreative Varianten an und überrascht zudem mit einer ambitionierten, von Betreiber und Sommelier Sebastian Georgi zusammengestellte Weinkarte. Sie wurde dieser Tage vom Gault Millau sogar als „Weinkarte des Jahres“ ausgezeichnet.

Pizza 485 Grad Köln

Doch so erfreulich es ist, dass die Weinbegleitung sich nicht hinter der Pizza verstecken muss, so unausgeglichen erscheint die Kombination einer Weinkarte im Stil der Spitzengastronomie mit guter Alltagsküche. Wer würde im Ernst eine 8-Euro-Pizza in angemessen einfachem Ambiente mit einem Großen Gewächs für 95 Euro oder gar einem Burgunder für 545 Euro begleiten wollen? Welches Publikum sollen die vielen Magnum-Flaschen oder Auslesen für 3500 Euro beeindrucken? Hier fehlt es an der richtigen Balance. Reichen nicht glasweise ausgeschenktes Gutes und ein paar besondere Flaschen voll und ganz zum Glücklichsein bei einem belegten Brotfladen aus Hefe, Salz und Wasser?

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