INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Wirkung statt Werbung. Über ein Bleichmittel

Zu den überflüssigsten Produkten der Industriemoderne zählen chemisch hochgerüstete Reinigungsmittel, die sich schädlich auf die Umgebungsnatur und den menschlichen Körper auswirken. Sie leben – Roland Barthes hat es bereits 1957 herausgearbeitet – von einem Mythos der Tiefe: dass ein Waschmittel in der Tiefe reinige, schrieb der Semiologe in seinen Mythen des Alltags, „setzt voraus, daß die Wäsche eine Tiefe hat, worauf bisher noch niemand gekommen war“. Mit ihren Aktiv-Formeln und Mega-Mehrkammer-Technologien repräsentieren, verstärken und etablieren die mit Warnschildern übersäten Detergenzien ein klinisch-toxisches Sauberkeitsideal, das mehr über Verpackungszauber und Verbraucherängste verrät als über ein gesundes Maß an Reinlichkeit.

Bleichmittel Sonett

Wer sich einmal auf die Gegenprobe einlässt und das öko-zertifizierte Bleichmittel der Firma Sonett ausprobiert, macht die erstaunliche Erfahrung, dass es keiner synthetischen Superformeln bedarf, um die Wäsche weiß zu kriegen. Bereits der Produktname („Bleichkomplex und Fleckentferner“) könnte nicht weniger sexy ausfallen, die Verpackung ist in einem unspektakulären Blassrosa gehalten, und die Inhaltsstoffe beschränken sich auf Natriumpercarbonat und Soda. Doch das Zeug wirkt, als hätten sämtliche Götter der Reinheitsindustrie ihre Kräfte gebündelt. Man staunt, dass der Verzicht auf Petrochemie und künstliche Zusätze ein solch makelloses Waschergebnis hervorbringen kann. Besonders bemerkenswert ist es, dass der auf Sauerstoff-Freisetzung basierende Bleichvorgang zugleich der Abbauvorgang des Natriumpercarbonats ist, am Ende des Waschdurchlaufs also keine abbaubedürftigen Reste bleiben. Sollte sich der Riesenaufwand an Forschung und Marketing konventioneller Hersteller etwa in Anbetracht dieser einfachen Alternative als überflüssig erweisen? Es sieht ganz danach aus.