Wortwörtlich (150): Rückkehr nach Reims

Mit seinem Buch Rückkehr nach Reims ist Didier Eribon ein Überraschungserfolg gelungen. Es verbindet auf beeindruckende Weise anrührende biografische Passagen mit soziologischer Zeitdiagnose. Eribon versucht zu erklären, wieso Teile der traditionell linken französischen Arbeiterschaft heute dem Front National folgen. Es ist ein Buch über die zahlreichen Ambivalenzen des persönlichen und politischen Aufstiegs, und einen Nebenaspekt macht auch der Konsum aus:

„Mit all ihrer Kraft strebten sie danach, auch die üblichen Konsumgüter zu besitzen, und ich sah in der tristen Realität ihres Alltags, in ihrem Wunsch, an einem Lebensstandard teilzuhaben, der ihnen lange verwehrt geblieben war, ein Zeichen, dass ihre ‚Verbürgerlichung‘ zugleich eine soziale ‚Entfremdung‘ war. (…) Wo immer möglich, kauften sie – die Summe der Kredite, die sie aufgenommen hatten, wuchs und wuchs – all die Waren ihrer Träume. Einen Gebrauchtwagen, einen Neuwagen, einen Fernseher, Möbel aus dem Katalog (…) Ich bemitleidete sie für ihren ständigen, neidgetriebenen Materialismus (…) In meiner Familie brüstete man sich mit dem Preis der Anschaffungen um herauszustellen, dass man sich etwas leisten konnte oder dass man es ‚geschafft‘ hatte.“

Quelle: Didier Eribon, Rückkehr nach Reims, Berlin: Suhrkamp 2016, S. 79f.

Eine Forschungsstelle für Konsumkultur

Aus fünf Jahren kulturwissenschaftlicher Konsumforschung an der Universität Hildesheim hat sich jetzt eine eigens dem Thema Konsumkultur gewidmete Forschungsstelle entwickelt. Geleitet wird sie von Dirk Hohnsträter, dem Betreiber dieses Blogs.

Die Forschungsstelle Konsumkultur betrachtet den Konsum weder als zu überwindendes Übel noch als unkritisch zu feiernde Errungenschaft, sondern als Gegenstand kulturwissenschaftlicher Analyse. Sie widmet sich den kulturellen Aspekten des Konsums: seiner Geschichte, Theorie und Ästhetik. Ein eigener Webauftritt informiert über Profil, Personen und Aktivitäten der Einrichtung.

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Lesezeichen (4): Modetheorie

Über 500 Jahre Modetheorie: Udo H. A. Schwarz betreibt seit 2006 eine ebenso minimalistisch wie übersichtlich gestaltete Online-Bibliografie mit Texten zur Sozio-Ästhetik der Mode. Bei der bequem durchsuchbaren Website handelt es sich um eine sehr gelungene Nutzung der Vorzüge des digitalen Hypertextes. Hier ist sie:

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Mad Men (Episode 60): Tomorrow Never Knows

Megan drückt Don das Revolver-Album der Beatles in die Hand, empfiehlt ihm den Song Tomorrow Never Knows und verlässt die Wohnung, um Schauspielunterricht zu nehmen. Don, der sie lieber als Kollegin gesehen hätte, nimmt die Platte aus der Hülle, legt sie auf, zieht die Jacke aus, setzt sich in einen Sessel und hört, das Whiskyglas in der Hand, die Musik. Während der Song weitergeht, montiert die Kamera Bilder der anderen Protagonisten, die ihren Träumen hinterherjagen. Don hebt den Tastarm, die Musik setzt aus. Er geht schweigend durch den leeren Raum des nächtlichen Apartments. Abspann: Die Musik setzt wieder dort ein, wo Don sie unterbrochen hat.

Der Soundtrack der Zeit hört nicht auf zu spielen, wenn der Arrivierte ihn unterbricht:

„Turn off your mind relax and float down stream
It is not dying, it is not dying“
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Wortwörtlich (149): Braucht man eine Smartwatch?

Braucht man eine Smartwatch? Alex Hern vom Guardian hat neun Monate mit der Apple Watch verbracht, um zu einer Antwort zu kommen, die so klar ist, dass sie jedes weitere Liebäugeln mit dem dem formschönen Objekt erübrigt:

„Smartwatches are a solution in search of a problem. A technology created, not to serve consumer demand, but to serve the need of device manufacturers to fill the revenue hole created by declining smartphone growth. You don’t need one.“

Quelle: https://www.theguardian.com/technology/2016/jun/09/apple-watch-smartwatch (Abrufdatum 20. Februar 2017)

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