Der Blog von Dirk Hohnsträter
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Dirk Hohnsträter

INVENTUR ist ein digitales Journal über kulturelle Aspekte der Wirtschaft, betrieben von Dirk Hohnsträter. Alle vierzehn Tage erscheint ein neuer Artikel. Keine Anzeigen, wenig Bilder, überlegte Texte.

Dirk Hohnsträter ist Kulturwissenschaftler und Autor. Er leitet die Forschungsstelle Konsumkultur an der Universität Hildesheim.

Jeder zweite Artikel antwortet auf Fragen von Leserinnen und Lesern. Schreiben Sie mir! Sie erreichen mich über das Kontaktformular.

Aktuell

Neues Buch

Konsumkultur

Vor Kurzem erschien im Berliner Kulturverlag Kadmos der von Dirk Hohnsträter und Stefan Krankenhagen herausgegebene Band Konsumkultur. Eine Standortbestimmung. Er enthält Beiträge von Siegrid Baringhorst, Heinz Drügh, Moritz Ege, Kai-Uwe Hellmann, Jörn Lamla, Christoph Ribbat, Manuel Schramm, Wolfgang Ullrich und Katharina Witterhold.

Der neueste Artikel

Passé. Ein Bilderbuch verschwindender Dinge

passé. die stille aesthetik der dahingehenden objekte lautet der Titel eines neuen, anderthalb Kilogramm schweren Buches. Es zeigt 100 Gebrauchsgegenstände, die im Zuge der Digitalisierung aus dem Alltag verschwinden. Das Ziel: ausgediente Dinge „durch größe, nähe, spuren“ noch einmal in die Wahrnehmung zu rücken.

Passé Buch

Wenn Werber behaupten, wir hätten „von allem zu viel“, ist Skepsis geboten. Doch obwohl die Macher des gerade erschienenen Buches passé unter anderem mit diesem Satz ihr Projekt bewerben, lohnt sich eine nähere Betrachtung. Denn das erste Buch der neuen edition mixtumkompositum versammelt 100 Fotografien von Andrea Wittstruck, die in neusachlicher Nüchternheit abgenutzte Gebrauchsgegenstände zeigen und unwillkürlich beginnen, Geschichten zu erzählen. Es sind die durch Vergrößerung deutlich hervortretenden Gebrauchsspuren der Objekte, welche die Bilder vom Manufactum-Katalog ebenso unterscheiden wie von den historischen Aufnahmen eines Albert Renger-Patzsch.

Passé verschwindende Dinge

Ein Stempelhalter, eine Löschpapierrolle und ein Briefmarkenbefeuchter rufen gemütlich-stickige Kontoratmosphäre hervor, ein lederner Medizinball löst längst verdrängte Turnhallenbeklemmung aus, und das Fadengewusel in der Kapsel eines alten Blitzlichtes erinnert an eine Zeit, als jeder einzelne Schnappschuss schon aus Kostengründen überlegt sein wollte. „Made in Western Germany“, heißt es auf einem Objekt, das, bei allem Hang ins Trödelhafte, wie ein nostalgisches Gütesiegel aus der vermeintlichen Stabilität des Kalten Krieges anmutet.

Passé Dinge

passé zeigt Nischenprodukte im toten Winkel der Digitalität, Alltag, der durch bloßes Vergehen zu etwas Besonderem geworden ist. In der Schweiz aufwändig hergestellt, handelt es sich um ein sogenanntes Flatbook, bei dem die Rückseiten der Bögen vollflächig verleimt werden, um Doppelseiten vollkommen flach öffnen zu können. Stolze 95 Euro kostet diese Hommage ans Analoge. Man blättert gerne darin.

Passé Flatbook

Michael Bilek: passé. die stille aesthetik der dahingehenden objekte. Mit 100 Fotografien von Andrea Wittstruck. edition mixtumcompositum 2019. 210 Seiten. 95 Euro.

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Abbildungen: © Michael Bilek, edition mixtumcompositum, 2019