INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Industrial Facility: Die Designer Sam Hecht und Kim Colin

Gutes Design löst Probleme auf eine ruhige, überlegte Weise. Es zeichnet sich durch Sorgfalt aus und macht das Leben besser. Es ist Ausdruck einer Haltung, die das Bessere dem Anderen vorzieht. Sam Hecht und Kim Colin machen gutes Design. Mit ihrem Büro Industrial Facility zeigen sie, was geht, wenn Designern Stil und Novität weniger wichtig sind als gedankliche Durchdringung, Kontext und Relevanz. Eine gerade bei Phaidon erschienene, ausgezeichnete Monografie lädt zur Beschäftigung mit dem Designer-Duo ein.

Das Designbüro Industrial Facility

Produkte von Sam Hecht und Kim Colin waren schon ein Teil meines Lebens, als ich noch nichts über ihre Urheber wußte. Als erstes fiel mir die futuristische Ladentechnologie auf, die Hecht bei IDEO für Prada entworfen hatte. Bald fanden sich die roten Notizbücher von Muji und die makellose schwarze Festplatte Little Disk von LaCie in meinem Reisegepäck, beides Objekte, die Schreibende auf unaufgeregte Weise begleiten. Das durchdachte, formschöne Ablagesystem Formwork und der analoge Wecker Bell traten hinzu, Dinge, die man gerne um sich hat, gebrauchen will, nicht wegwerfen mag und die im Alltag auf leise Art Freude bereiten.

Industrial Facility Bell
Bell, 2008, Alarm clock, Takumi, Japan, pressed steel, ABS plastic; production 2009–14. Picture credit: courtesy and copyright © Angela Moore (page 162).

2002 gründeten der britische Produktdesigner Sam Hecht und die amerikanische Architektin Kim Colin in London ihr Designstudio Industrial Facility; 2016 kam die vor allem auf IoT-Produkte konzentrierte Future Facilty hinzu.

Sam Hecht & Kim Colin
Sam Hecht and Kim Colin / Industrial Facility. Picture credit: Gerhardt Kellerman / courtesy Industrial Facility.

Mit drei Assistenten ist Industrial Facility ein zwar kleines, aber enorm vielseitiges, weltweit tätiges Büro. In einem kurzen Video der für Herman Miller produzierten Reihe Why Design stellt das Duo seinen Ansatz vor:

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Das Buch Industrial Facility

Das Büro hat bereits eine Reihe von Büchern veröffentlicht, doch erst jetzt liegt eine umfassende Werkmonografie vor, erschienen im Phaidon Verlag.

Industrial Facility
2D Bookshot courtesy and copyright © Phaidon

Die über 200 Projekte, die das 292 Seiten starke Buch versammelt, fallen trotz der Heterogenität ihrer Funktionen nicht auseinander. Gleichwohl ist die Handschrift von Hecht und Colin keine bloß stilistische. Alain de Botton charakterisiert die Arbeiten des Duos im Vorwort folgendermaßen:

„Industrial Facility (…) constantly pare back, underplay, and yet seduce, enliven and over-deliver. Everything they have designed has reduced matters to essentials and yet managed to find a way to delight as well.“

Das Buch, das zahlreiche Fotos von Angela Moore, instruktive Interviews mit renommierten Experten wie Naoto Fukasawa und Deyan Sudjic sowie eine Vielzahl von Projektnotizen und programmatischen Texten der Designer enthält, erlaubt ein nuanciertes, tiefreichendes Bild der Industrial Facilty:

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Liest man die im Buch abgedruckten Project Notes, darunter auch solche über nie realisierte Vorhaben, so fallen Ausdrücke wie „borrowing rather then inventing“, „lightness of touch“ oder „poetic usefulness“ auf. Designinteressierte können aus diesem Buch erstaunliche Einsichten gewinnen, beispielsweise folgende:

„In the office, we have a rule of thumb – if neither we nor the client have experience, then the project often fails. Failure also occurs if both of us are experienced. Generally, if one party is naive and the other is experienced, beauty is created.“

Produkte, Arbeitsweise und Haltung von Industrial Facility

Von einem Schredder, der zugleich als Papierkorb fungiert über eine Nachttischlampe, die auch zum Aufladen von Smartphones genutzt werden kann, bis hin zur modularen Bürolandschaft Locale demonstrieren die Produkte von Industrial Facilty ein kluges Nachdenken über die moderne Lebenswelt.

Industrial Facility Locale
Locale, 2011, office furniture system, Herman Miller, USA, cast aluminium, recycled felt, steel, formcoat; production 2014–. Picture credit: Gerhardt Kellermann (page 218).

Am Beispiel des Stuhls Branca, den Hecht und Colin für den italienischen Hersteller Mattiazzi entworfen haben, lässt sich gut erkennen, wie die mühelose Anmutung des fertigen Produkts ohne einen hochkomplexe Designprozess und modernste Maschinentechnik nicht möglich wäre:

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Wie gelingt es dem Duo, in so vielen verschiedenen Bereichen über einen so langen Zeitraum so überzeugende Ergebnisse zu erzielen? In einem besonders ergiebigen Interview destilliert Bruce Mau den Arbeitsprozess der Designer:

„Intelligence; clarity; simplicity; beauty; and really in that order. It always starts with intelligence. They start with a really smart insight, so that they’ve got something to do that is a smart thing to do. And then they get clarity on it – they hone it down to exactly what it needs to be. They make it simple, which is the hardest thing to do. And then, they deliver it with beauty.“

Und er stellt heraus, worin die eigentliche Bedeutung der Arbeiten von Hecht und Colin liegt:

„I truly believe that fear has become the dominant idea of our time – you see it just about everywhere, every day. And so when (…) you have designers like Sam and Kim who are fearless in their thinking, it inspires everyone around them (…) because it says ‚We’re still here, we’ve still got lots to do, and we can do it!‘ That’s a profound message to the world, and I think that’s ultimately what great design is about.“

Weitere Artikel über die Arbeiten von Sam Hecht und Kim Colin finden Sie hier und hier.

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