Der Blog von Dirk Hohnsträter
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Stankowski + Duschek. Pioniere der Werbegrafik und Markengestaltung

Die Grafiker Anton Stankowski (1906–1998) und Karl Duschek (1947–2011) zählen zu jenen Designern, deren Arbeit weithin sichtbar ist, ohne dass die Urheber einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wären. Dabei hat das Büro Stankowski + Duschek so prominente Designs wie das visuelle Erscheinungsbild von Rewe oder das Logo der Deutschen Bank entworfen. Jetzt können Interessierte das Werk der beiden Gestalter im Rahmen einer Sonderausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin genauer kennenlernen.

Nach einem Studium an der Folkwangschule in Essen machte sich Anton Stankowski Anfang der 1930er-Jahre zunächst in der Schweiz einen Namen, wo er unter anderem mit Max Bill in Kontakt stand. 1951 gründete er in Stuttgart sein eigenes grafisches Atelier und bewegte sich im Umfeld von Nachkriegsmodernisten wie Max Bense und Egon Eiermann. 1972 trat Karl Duschek in das Büro ein und wurde wenig später Partner. Über mehrere Jahrzehnte zählte das Atelier zu den führenden Büros für Kommunikationsdesign in Deutschland. Es entwickelte Markenzeichen für die Deutsche Börse ebenso wie für den Werkbund und den Rat für Formgebung.

Stankowski + Duschek
Anton Stankowski und Karl Duschek, um 1980, © Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung / Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Nachlass Stankowski + Duschek

Betrachtet man die rund 300 Exponate in der Berliner Kunstbibliothek, so fällt nicht nur die konstruktive und funktionale Ästhetik der von Stankowski + Duschek entwickelten Zeichensysteme auf, sondern auch, dass der Entwurfsprozess keineswegs immer so gradlinig verlief, wie die klaren Ergebnisse vermuten lassen. An den Skizzen zur visuellen Identität der Deutschen Bank kann der gestalterische Prozess exemplarisch nachvollzogen werden.

Anton Stankowski
Anton Stankowski, Entwurfsskizze für ein Zeichen der Deutschen Bank, um 1970, Bleistift auf Papier, 28,7 x 21 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, © Stankowski-Stiftung / Repro: Dietmar Katz

Karl Duschek
Grafisches Atelier Stankowski + Duschek, Konstruktionszeichnung zum Logo der Deutschen Bank, 1973, © Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung

Deutlich wird, wie sehr sich Stankowski + Duschek im Umfeld der konkreten Kunst bewegten und bestrebt waren, ihre in rationalistischer Tradition stehende Bildsprache zu dynamisieren und sogar mit humorvollen Elementen zu versehen. Dem Pressematerial zur Ausstellung ist eine Sammlung programmatischer Zitate der Gestalter beigefügt, die ihre Haltung zum Design verdeutlichen. Beispielsweise äußerte Stankowski:

„Finden, vereinfachen, versachlichen und vermenschlichen – das Letzte ist das Schwerste.“

„Der Widerspruch ‚einfach und doch eigenartig‘ ist oft Garant für die besondere Leistung.“

„Nicht neu – sondern gut.“

Wenig bekannt ist, dass Stankowski neben Werbegrafik und künstlerischen Arbeiten auch ein hinreißendes Kinderbuch in der Tradition der Avantgarden entworfen hat. Zwischen 1958 und 1968 schuf er zu Texten von Eugen Gomringer eine Reihe von Blättern, die mit dem Quadrat als geometrischer Grundform und wechselnder Farbgebung spielen. Der Grafiker verstand das Buch als eine Schule des Sehens:

„Das-Gucken-Kinderbuch ist so einfach, dass es auch von Erwachsenen verstanden wird.“

Vom 13. März bis zum 28. Juni 2020 in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin

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12. März 2020