INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Drei Fragen an … den Pariser Designer Isaac Reina

Isaac Reina hat Lederwaren auf ein neues Niveau gebracht. Ein Interview mit dem Pariser Designer über Qualität bei Lederwaren und Accessoires.

Isaac Reina

1968 in Barcelona geboren, studierte Isaac Reina zunächst Architektur, bevor er beim katalanischen Modedesigner Antonio Mirà³ seine Karriere im Modegeschäft begann. 1998 zog Reina nach Paris, um im traditionsreichen Haus Hermès als rechte Hand von Véronique Nichanian zu arbeiten. Sieben Jahre später machte er sich mit seiner eigenen Lederwarenfirma selbständig, die seit ihrer Gründung 2006 in der Pariser Rue de Sévigné 38 ansässig ist. Sein Wissen vermittelt Reina regelmäßig an der Ecole de la Chambre Syndicale de la Couture Parisienne; Kooperationen brachten ihn mit Marken wie Maison Martin Margiela und Quai de Valmy zusammen.

Issac Reina Rucksack

Inspiriert sind seine ebenso einfachen wie subtilen Entwürfe von geometrischen Elementarformen, der Kunst des Papierfaltens und industrieller Ästhetik. Hergestellt werden sie ausnahmslos in Frankreich; jährlich etwa 1500 Stück, sämtlich von Hand und nur aus den besten Ledern. Die traditionelle Formensprache des Luxus versucht Reina zu überwinden: „Was zählt sind erstklassige Materialien, hervorragende Verarbeitung und die richtigen Proportionen.“ Dank der einzigartigen Verbindung aus unprätentiösem Design und äußerster Sorgfalt im Detail nannte das Männermodemagazin Fantastic Man Reinas Produkte „die besten Lederaccessoires der Welt“.

Isaac Reina Börse

So eindeutig die strengen Formen und monochromatischen Farben seiner Entwürfe vom Modernismus geprägt sind, so sehr haben Reinas Accessoires dank der oftmals sehr dünnen und weichen Leder und der in sie investierten handwerklichen Arbeit eine menschliche Anmutung. Äußerst leicht, bedürfen sie gleichwohl keiner Innenfutter, um stabil, strukturiert und dauerhaft zu sein. Ein besonderes Augenmerk richtet Reina auf die Funktionalität. Beispielsweise können sich in einer sehr schlicht aussehenden Geldbörse durchdacht angeordnete Fächer für Karten und Bargeld verbergen.

Isaac Reina Clutch

INVENTUR hat Isaac Reina im Pariser Marais getroffen und sich mit ihm über seine spezielle Qualitätsidee unterhalten.

Was verstehen Sie unter Qualität?

„Mir ist es wichtig, Qualität als etwas Normales anzusehen, nicht gebunden an eine demonstrative Vorstellung von Luxus. Ich möchte etwas Undramatisches und sehr Einfaches machen, nichts Auffälliges. Letztlich geht es um Material, Form, Proportion und um die Herstellungsweise.
Um ernsthaft zu lernen, wie man Qualitätsprodukte profund und professionell herstellt, habe ich vor der Gründung meiner Marke bei Hermès gearbeitet.“

Wie setzen Sie diese Vorstellung in Ihrer Arbeit um?

„Unsere Leder kommen aus der Schweiz und Frankreich, und die Gerbereien, mit denen wir zusammenarbeiten, nutzen traditionelle Methoden. Beispielsweise wird doppelt gegerbtes Kalbsleder zunächst vegetabil und dann mineralisch behandelt, damit es sowohl langlebig als auch besonders weich ist. Die meisten Leder heutzutage werden nur einmal behandelt, aber eine wirklich gute Qualität erfordert die doppelte Gerbung.
Unsere Produkte werden von sehr engagierten Handwerkern in vier kleinen Werkstätten in und um Paris gefertigt, zwei für Taschen und zwei für Kleinlederwaren. Da nahezu alle traditionellen Lederwerkstätten in Paris verschwunden sind, hat es eine Weile gedauert, bis wir eine tragfähige Infrastruktur aufbauen konnten, die der Nachfrage gerecht wird.
Die Menschen um mich herum legen außerordentlichen Wert auf Qualität. Beispielsweise sagte mir eine meiner Handwerkerinnen vergangene Woche, dass sie dieses Jahr etwas weniger für mich arbeiten möchte, um an einem Wettbewerb teilzunehmen, bei dem man die besten Handwerker Frankreichs ausgezeichnet.“

An welchem Beispiel wird Ihr Qualitätsideal besonders deutlich?

„Wenn ich etwas entwerfe ist es mir nicht nur wichtig, wie das Objekt aussieht. Ich kümmere mich auch um die technischen Designs. So nutzen wir etwa eine sehr teure Maschine, mit der man die Dicke des Leders bei jedem einzelnen Objekt auf den Zehntelmillimeter genau festlegen kann.
Ich kaufe mir viele Vintage-Sachen, um zu sehen, wie sie gemacht sind. Manchmal nehme ich einen Prototyp und nutze ihn in meinem Alltag, um herauszufinden wie er funktioniert.
Schau dir meine Geldbörse an. Eine ungewöhnlich kleine, einfache Geldbörse mit Reißverschluss. Es hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, um all ihre Details zusammen mit einem Handwerker auszutüfteln. Obwohl sie so klein ist, passen bis zu acht Karten, Geldscheine, Münzen, Metrotickets und ein paar andere Sachen da rein. Das würde man von einem so kleinen Ding nicht erwarten, aber es funktioniert aufgrund des Materials, der Proportionen und der Sorgfalt, mit der sie gemacht ist.“

Den englischsprachigen Originaltext finden Sie hier.

Eine Liste aller Interviews mit Qualitätsexperten finden Sie im Archiv.

Fotos: © Isaac Reina