INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Azzedine Alaïa

In A View to a Kill (1985) verfolgt 007 die von Grace Jones dargestellte Figur der May Day bis an die Spitze des Eiffelturms. Ihr markantes Kapuzenoutfit entwarf der aus Tunesien stammende französische Couturier Azzedine Alaïa. Bei einem Auftritt in der Pariser Oper trägt Jones ein Jahr später erneut Alaïa. Das Abendkleid aus einem Acetat-Jersey mit Moiré-Effekt schmiegt sich dem ultraschlanken Körper der Sängerin hautnah an, umspielt ihn dank der weich fallenden Kapuze jedoch auch. Es bringt, in den Worten Barbara Vinkens, „die Dialektik von Verhüllen und Enthüllen zum Platzen“ (in: Mode nach der Mode. Kleid und Geist am Ende des 20. Jahrhunderts. Frankfurt/Main 1993, S. 148).

Azzedine Alaïa

Wer dem Kleid in der momentan im Pariser Palais Galliera zu sehenden Alaïa Retrospektive gegenübersteht, verspürt einen kleinen Schauer, als habe sich in diesem Stück Stoff das Echo einer Präsenz verfangen, der direkt gegenüberzutreten einen überwältigenden Effekt ausgelöst haben muss. Skalpellscharfe Konturen treffen auf fließenden Stoff; Stolz und Zerbrechlichkeit bilden eine ebenso präzise wie spektakuläre Balance.

Von Greta Garbo bis Stephanie Seymour getragen, den Rhythmus der Schauen längst ignorierend, toleriert Alaïa keine Zweitlinienhalbheiten und gewinnt Leder, Metallösen, Perforationen und der dominanten Farbe Schwarz stets aufs neue ein radikales, hochrerotisches Raffinement ab. Kein Modemacher dürfte ein berühmtes Bonmot von James Laver besser bestätigen als dieser studierte Bildhauer. Es lautet: „Fashion is the comparative of which fetishism is the superlative.“

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