INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Bikini Berlin

An keinem Ort wirkt Berlin derzeit urbaner als hier: das gründlich sanierte, gestern als Concept Mall wiedereröffnete Bikinihaus am Zoo spielt seinen Standort souverän aus. 1957 fertiggestellt, bietet das ursprünglich zweigeteilte (daher der Name), 200 Meter lange Gebäude mit seiner 7000 Quadratmeter umfassenden, frei zugänglichen Dachterrasse und den großzügigen Glasfassaden imposante Blicke auf Berlins Westen. Seine Gegenwärtigkeit gewinnt Bikini Berlin durch die Bespielung.

Bikini Berlin

Bikini Berlin setzt auf Qualität und Eigensinn. So sind beispielsweise die Möbelhersteller Vitra und Artek mit einem gemeinsamen Laden vertreten, die Brillenmanufaktur Mykita und der Gestalten-Verlag. Bereits früh zeigte sich Andreas Murkudis überzeugt, der in der Potsdamer Straße auf 1000 Quadratmetern Fläche hochwertige, von ihm persönlich zusammengestellte Dinge verkauft:

„Am Bikini-Haus hat mich gereizt, dass sich das Immobilienunternehmen Bayerische Hausbau einen denkmalgeschützten Komplex kauft, dann aber sagt, dass es nicht die 65. Shopping Mall eröffnen will, sondern etwas Neues entwickeln möchte.“

Murkudis ist mit gleich drei Läden im Bikinihaus vertreten: im 2. Obergeschoss präsentiert er eine Auswahl seines stets mit sicherer Hand zusammengestellten Sortiments aus dem Hauptgeschäft; eine Etage tiefer bietet er erschwinglichere, jedoch nicht minder sorgfältig ausgewählte Dinge an. Zudem betreibt er Deutschlands erste Boutique der italienischen Modemarke Aspesi, die übergangslos an den Ableger seines Hauptgeschäftes anschließt.

Interessant ist die Idee, das Erdgeschoss von Bikini Berlin mit 19 Pop-up Stores, sogenannten Boxes, zu bestücken. Für maximal ein Jahr können die hölzernen Kojen gemietet werden, die kleineren Firmen Präsentationsmöglichkeiten bieten und für Abwechslung sorgen. Derzeit nutzt beispielsweise die Berliner Krawattenmanufaktur Edsor diese Gelegenheit.

Bikini Berlin

Am Eröffnungstag war noch nicht jede Fläche des Gebäudes vermietet – und manches Ladenlokal eine Baustelle. Auch ist nicht alles im Bikini ungewöhnlich. Bekannte Marken wie Cyberport, Carhartt oder Closed spekulieren, dass die Sonne des kuratierten Cool auch auf sie abstrahlen möge. Und doch könnte das Kalkül der bayerischen Investoren aufgehen, in Berlin eine zukunftsweisende Form der Qualitätswirtschaft zu etablieren.

Lesen Sie auch mein Interview mit Andreas Murkudis.