INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



G. Lorenzi in Mailand schließt nach 85 Jahren

Beim nächsten Besuch wollte ich einen zweiten Blick auf die herrlichen Zigarettenspitzen im Kellergeschoss werfen. Und die zerbrochene Glaskapsel ersetzen, die bei einem Rasierer von G. Lorenzi den Klingenkopf schützt und ihn ebenso zu etwas Besonderem macht wie der abschraubbare, in die Metallröhre versenkte Alaunstift am hinteren Ende des Klingenhalters. Doch zu spät. Das legendäre, 1929 gegründete Geschäft für Messer, Scheren, Hornkämme, Rosshaarbürsten, Nagelpfeilen, Flachmänner und unzählige andere nützliche, meistens für Herren gemachte Dinge, öffnet heute zum letzten Mal.

G. Lorenzi

Trotz seines breiten Sortiments (G. Lorenzi hatte 100 unterschiedliche Nagelscheren und 300 verschiedene Bürsten im Angebot) nannte sich der Familienbetrieb bis zuletzt „Coltellinaio“, Messerschmied. Dank seiner Lage in der via Montenapoleone 9 bildete G. Lorenzi wohl die letzte Repräsentanz des rauhen, industriellen Mailand innerhalb der Luxusmarken-Monokultur seines Triangolo d’Oro. Dem Vernehmen nach haben familiäre Gründe dazu geführt, das Ladenlokal an die Swatch-Gruppe und deren Marke Omega zu verkaufen. Von 50 Millionen Euro ist die Rede. So verschwindet am heutigen Samstag eine Institution. Es ist ein Jammer – und ein weiterer Beleg der goldenen Einkaufsregel, dass man etwas nicht dann kaufen sollte, wenn man es braucht, sondern wenn man das Richtige gefunden hat. Weil es nämlich, wenn man eines Tages den Bedarf bemerkt, nirgends aufzutreiben sein könnte.

Nachtrag März 2016: Larusmiani übernimmt Restbestände von G. Lorenzi

Wie das Magazin Wallpaper berichtet, hat der Gründer der Marke Larusmiani, Guglielmo Miani, 20 000 Stücke und das Mobiliar des Ladenlokals übernommen.