INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



INVENTUR macht Inventur (1): Essen

Vorgesehen für künftige Posts, jetzt in einem Schwung geliefert: die besten Lebensmittelempfehlungen aus meinen Notizen. Außerdem verrate ich, wo man im teuren Zürich günstig essen kann und wo es in Paris das beste Croissant gibt. INVENTUR macht Inventur, Folge 1: Essen

Morgens

Wollte man nur Brot und Butter essen, es wäre das wunderbare Brot der dänischen Bäckerei The Bread Station am Berliner Maybachufer und die hocharomatische beurre baratté demi-sel, die der Lyonnaiser Affineur Christian Janier in kleinen Mengen nach Deutschland exportiert. So könnte man tagelang auf höchsten Niveau frühstücken, und gäbe doch keine zehn Euro dafür aus. Beides erhältlich bei Maître Philippe et filles.

Brot Bread Station

Butter Janier

Mittags

Welche Pasta ist die beste? (Mehr über die schlechteste hier.) Anstatt sich auf eine festzulegen, entdeckt man besser immer wieder andere. Mein aktueller Vorschlag: an Werktagen Rummo, an Sonntagen Latini, an Festtagen Vero Lucano. Alle haben dieselben Zutaten (Hartweizengrieß und Wasser), alle werden traditionell in Bronzeformen hergestellt, aber jede schmeckt anders. Rummo hat einen tollen Biss, Latini lässt die Weizensorten durchschmecken, und Vero Lucano schmeckt geradezu, als handle es sich um frisch gemachte.

Pasta Rummo

Abends

Warum habe ich eigentlich nie regelmäßig Schokoladen auf diesem Blog verkostet? Oder Nuss-Nougat-Cremes? Vielleicht, weil noch jeder Vergleich die Favoriten bestätigte: die Giandujacreme Gianera von Slitti, die mit 52% den wohl höchsten Nussanteil aller Cremes dieser Art hat (bei Nutella sind es gerade einmal 13%), und die Variante Puertofino (70%) aus Domoris Criollo-Reihe: mit Noten von Trockenfrüchten, Tabak und Wald, komplex und weich, zeigt sie wie keine andere mir bekannte Schokolade, was in Kakao stecken kann.

Wo kann man in Zürich gut und günstig essen?

Antwort: In der Atelier Bar von Dieter Meier (Talacker 16 / Bärengasse). Obwohl in einer der teuersten Immobilienlagen der Welt gelegen, bekommt dort hochwertige Speisen zum Preis eines Mensaessens (das ist: eines Mensaessens an der ETH). Das Roastbeefsandwich mit Fleisch von Meiers argentinischen Ojo de Agua Bio-Rindern kostet 14 Franken, ein Glas von Maiers kräftigem Malbec Puro 8 Franken. Dazu gibt’s verbindlichen Service, eine informelle Atmosphäre und Kunst von Meier an den Wänden.

Wo gibt es in Paris das beste Croissant?

Mit einer solchen Überschrift schnellen die Klickzahlen in die gigantische Höhen, während Texte über Konsumtheoretiker oder RSS-Feeds niemanden interessieren. Um den Härten des Bloggerlebens etwas entgegenzusetzen, habe ich sämtliche Bäckereien der französischen Hauptstadt in Begleitung von Joël Robuchon jeweils morgens gegen halb sechs incognito aufgesucht und ofenfrische Croissants verkostet, leicht warm und mit genau der richtigen Mischung aus blättrigem Biss und buttriger Weichheit… Wie sagte doch Woody Allen in Annie Hall: „If life were only like this.“