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Der Blog von Dirk Hohnsträter



Exklusivabfüllungen beim Wein – lohnen sie sich?

Eine Reihe von Winzern füllt ausgewählte Partien eines Jahrgangs exklusiv für einzelne Händler ab. Die „Sonderabfüllung“ oder „Edition“ genannten Flaschen werden gegen ein paar Euro Aufpreis exklusiv von den jeweiligen Händlern verkauft und natürlich besonders beworben. Zahlt man für den Namen – oder lohnt es sich geschmacklich, für solche Exklusivabfüllungen etwas tiefer in die Tasche zu greifen?

Selbstverständlich gibt es keine pauschal gültige Antwort auf diese Frage. Aus der Vielzahl an Exklusivabfüllungen habe ich mir ein Beispiel herausgegriffen und verschiedene Flaschen des badischen Winzers Holger Koch verglichen. Über den Jahrgang 2012 schreibt der Gault Millau:

„Die aktuelle Kollektion besticht mit besonders gut gelungenen Grauburgundern, die feingeschliffener am gesamten Kaiserstuhl kaum zu finden sind.“

Der Winzer aus Bickensohl hat sich auf Burgunder-Sorten spezialisiert. Er baut hochsensibel im Holzfass aus, schwefelarm und spontan vergoren. Im Gegensatz zu zahlreichen Naturweinen zeichnen sich Kochs Burgunder jedoch durch eine außergewöhnliche Finesse aus. Während ich seinen Weißburgundern reserviert gegenüberstehe, seien Kochs elegante Spätburgunder nachdrücklich empfohlen – und natürlich die Grauburgunder. Nuancenreichtum ist das erklärte Ziel des Winzers – und das erreicht er immer wieder auf beeindruckende Weise.

Für verschiedene Händler – darunter K&U und Pinard de Picard – hat Koch seinen 2012er Grauburgunder in exklusiven Varianten abgefüllt, die preislich 3 Euro über dem Basiswein liegen. Bereits seine Basisweine sind eine Empfehlung: frisch, geschmeidig, mit Anklängen von Zitrus, Birne und einem Hauch Ingwer.

Exklusivabfüllungen

Die Editionsweine fallen voller und rauchiger aus, doch keiner davon überzeugt so sehr wie der Steinfelsen, der für 12,95 Euro exklusiv bei Pinard de Picard erworben werden kann. Das dichte, wunderbar weiche Mundgefühl und die volle, präzise herausgearbeitete Aromatik mit ihren gelbfruchtigen und speckigen Anklängen heben ihn von den Vergleichsweinen ab. Ein sensibel-souveräner Frühherbstwein, der auch an einem regnerischen Frühlingstag überzeugt.

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