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Der Blog von Dirk Hohnsträter



Kunststoffklassiker (4): Nylonjacken von Prada

Wie aufregend wirkten Nylonjacken von Prada in den 1990er Jahren! Sie waren richtig gut, damals: ein frischer Look, hervorragend geschnitten, gediegen verarbeitet und aus erstklassigem Material gefertigt, das eine Menge Expertise verriet. Die Stoffe trugen Namen wie Tecnico Gabadi oder Tela Tecnica und wurden – ungewöhnlich in der damaligen Designermode – von Firmen wie Dupont, Gore und Vibram entwickelt.

Prada Nylon

Heute sind diese Jacken so démodé, dass man sie fast schon wieder empfehlen möchte. Prada sei „eine Russenmarke“ geworden, flüsterte mir ein Verkäufer am Berliner Kurfürstendamm despektierlich zu, während einer seiner Londoner Kollegen sich unsentimental dem nächsten Nylon-Trend anschloss: „Everybody loves Moncler“.

Prada Nylon

Pradas Dreh, klassische Einsatzorte von Leder (Gepäck, Gürtel, auch Armschoner) mit technischen Fasern zu versehen, ergab eine sehr mailändische Mischung aus Vornehmem und Industriellem, Designergarderobe und Arte Povera-Ästhetik.

Zunächst nur in der sehr teuren Hauptlinie zu haben, weitete Linea Rossa, die Zweitlinie, seit 1997 das Konzept aus, gefolgt von Luna Rossa, der Drittlinie, die es bis ins Letzte ausschlachtete. In Italien werden nur noch wenige der weiterhin angebotenen Nylonklassiker hergestellt; die Produktion wanderte über Rumänien nach Fernost.

Als Vintage-Objekt werden die Jacken jedoch, wie man vermuten darf, in nicht allzu ferner Zeit wieder zum Objekt der Begierde.

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