INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Capote (mit Preisfrage)

Preisfrage: Ist Truman Capotes 1958 erschienenes Buch Breakfast at Tiffany’s der erste Roman der Weltliteratur, der einen Markennamen im Titel trägt? Soweit ich sehe, ja.

Capote

Es ist allemal das Buch, in dem man auf einer halben Seite lernen kann, was über die Faszinationskraft von Marken zu lernen ist. Nicht etwa – bemerkenswert genug – weil der Roman den Konsum mit nonchalanter Genauigkeit behandelt. Sondern weil die Protagonistin Holly Golightly, jene Frau, die sich selbst als „top banana in the shock department“ charakterisiert und eine namenlose Katze ihr eigen nennt, schon auf Seite 40 den Grund ihrer Zuneigung zum berühmten Juwelierhaus verrät. Sie spricht über ihre Angst (im Original deutsch) und dass ein Drink dagegen nichts ausrichte, Aspirin nicht und auch kein Marihuana:

„What I’ve found does the most good is just to get into a taxi and go to Tiffany’s. It calms me down right away, the quietness and the proud look of it; nothing very bad could happen to you there, not with those kind men in their nice suits, and that lovely smell of silver and alligator wallets. If I could find a real-life place that made me feel like Tiffany’s, then I’d buy some furniture and give the cat a name.“

Von der Lektüre des Romans, der mit erzählerischer Ökonomie, präzisen Pointen und bis heute unverbrauchter Sprache ein imaginäres New York der 1940er Jahre hervorruft, sollte man sich durch die sentimentale Filmfassung nicht abhalten lassen.

Truman Capote: Frühstück bei Tiffany. Roman. Neu übersetzt von Heidi Zerning. Zürich: Kein und Aber 2006. 128 Seiten. 16,90 Euro. Taschenbuchausgabe bei Goldmann 7,99 Euro.

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