INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Acht Wege, ein glücklicherer Konsument zu werden (2)

Die zweite Regel, die Gilbert et al. formulieren, ließe sich leicht als idealistisch abtun, basierte sie nicht auf empirischen Studien.

Regel 2: Gib dein Geld eher für andere als für dich selbst aus

So zitieren die Wissenschaftler beispielsweise eine Studie, deren Teilnehmern man einen bestimmten Betrag zur Verfügung stellte und sie dann nach dem Zufallsprinzip anwies, diesen entweder für sich selbst oder für andere auszugeben. Abends nach ihrem Wohlbefinden befragt, zeigten sich diejenigen zufriedener, denen „prosocial spending“ verordnet worden war. Die Datenlage erlaubt nach Auffassung der Autoren sogar eine Universalisierung:

„The benefits of prosocial spending appear to be cross-cultural.“

Welche Gründe lassen sich für diese Ergebnisse anführen? Generell gehen die Verfasser davon aus, dass

„almost anything we do to improve our connections with others tends to improve our happiness as well – and that includes spending money“

Geschenke oder karitative Gaben erlaubten eine positive Selbstdarstellung, welche die eigene Stimmung hebe, während umgekehrt der bloße Gedanke an Geld soziale Impulse unterlaufen und sich somit negativ aufs Wohlbefinden auswirken könne.

Andere

Die Befunde scheinen von einem irritierend optimistischen Menschenbild getragen. Steigert es nicht spürbar die Zufriedenheit, sich selbst nach anstrengender Arbeit etwas Gutes zu tun und zu belohnen? Und wäre die These der Psychologen wahr, müssten wir dann nicht einer besseren, selbstloseren und glücklicheren Welt leben? Als Antwort auf diesen Einwand führen Gilbert et al. sogenannte affective forecasting errors an, d.h. irrtümliche Annahmen darüber, welche Gefühle zukünftige Ereignisse mit sich bringen werden. Verhalten Konsumenten sich also lediglich deshalb egozentrisch, weil sie falsche Vorstellungen davon haben, wie positiv sich soziales Verhalten auf ihr Wohlbefinden auswirken würde? Vielleicht. Stärker noch als bei anderen Glücksformeln dürfte die Richtigkeit dieser Regel allerdings von den jeweiligen Umständen abhängen. Zumindest wenn ein gewisser Basiswohlstand erreicht ist und genügend Spielräume für Kaufentscheidungen gegeben sind, haben Konsumenten wenig zu verlieren und möglicherweise viel zu gewinnen, wenn sie Gilberts zweite Glücksregel gelegentlich ausprobieren.

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Eine Sonderseite zum Thema Konsum, Glück, Wohlbefinden und Zufriedenheit finden Sie hier.

Abbildung: Round Icons*