INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Rosé: Wein mit einem breiten stilistischen Spektrum

Längst hat sich Rosé als attraktive Begleitung zu leichter, mediterraner und asiatischer Küche etabliert. Ein erfrischendes, sommerliches Trinkvergnügen bietet er ohnehin. Das stilistische Spektrum ist überraschend breit, und die Qualitätsunterschiede sind erheblich.

Zwischen zwei unterschiedlichen Verfahren haben die Winzer bei der Rosé-Produktion die Wahl: dem sogenannten Saignée-Verfahren, bei dem der Wein durch Saftabzug von der Rotweinmaische hergestellt wird und das unter den Spitzenwinzern beispielsweise Knipser aus der Pfalz anwendet – oder der Direktpressung. Dabei werden vergleichsweise früh geerntete, rote Trauben zunächst mit ihren Schalen auf der Presse belassen, dann durch Abpressen von den Schalen getrennt und schließlich wie Weißwein vergoren. Auf diese Weise produzierte Rosés zeichnen sich durch ihre typische Wildlachsfarbe, feinwürzige Frucht und zarte Bitterkeit aus.

Rosé Schäfer-Fröhlich

Ich habe in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe von Roséweinen verkostet. Besonders gefallen haben mir zwei, die kaum unterschiedlicher ausfallen könnten: der Heideboden Rosé von Nittnaus aus dem Burgenland (8,90 Euro) und Schäfer-Fröhlichs Rosé Blanc de Noir von der Nahe (10,95 Euro). Der erste, biodynamisch angebaut und spontan vergoren, kommt im besten Sinne ländlich daher, robust und beerig, während der zweite mit seinen finessenreichen Fruchtnoten und seiner präzisen Mineralität als Inbegriff der Eleganz gelten darf. Bei dem von Hans Nittnaus produzierten Rosé handelt es sich um einen reinsortigen Zweigelt; Tim Fröhlich hingegen vinifiziert auf Vulkangestein wachsende Pinot-Noir-Reben. Zwei Rosés, zwei vollkommen unterschiedliche Weine. Beide bestens geeignet, den vermeintlich belanglosen Terrassenwein neu zu entdecken!

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Die Abbildung zeigt den Boden des Felsenbergs vom Weingut Schäfer-Fröhlich. Foto: © Schäfer-Fröhlich