INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Überraschung: Spätburgunder aus Sachsen

Spätburgunder oder Pinot Noir gilt als ebenso sensible wie elegante Rebsorte. Sie stammt aus dem Burgund und ist eine der ältesten Rebsorten der Welt. Die kleinen, dünnschaligen Beeren werden in der Regel sortenrein gekeltert und ergeben einen eher hellen Rotwein. Vielen gilt großer Spätburgunder als Gipfel des Weingenusses. Seit nun schon längerer Zeit kommen aus Deutschland hochwertige Spätburgunder. Güter wie Friedrich Becker aus der Pfalz und Jean Stodden von der Ahr überzeugen durch erstklassige Qualität. Aber auch abseits des Naheliegenden kann deutscher Spätburgunder entdeckt werden, zum Beispiel an der Sächsischen Weinstraße. Über Spätburgunder aus Sachsen.

Das Weinbaugebiet Sachsen

Das östlichste und zweit­kleinste der 13 deut­schen Wein­an­bau­ge­biete liegt im Elbtal zwischen von Diesbar-Seußlitz im Westen bis Pirna im Osten. Der Rebsortenspiegel wird vom Müller-Thurgau angeführt; interessante Sorten sind beispielsweise der frische Elbling (der allerdings nichts mit der Elbe zu tun hat) und die sächsische Besonderheit des Goldrieslings, einer Kreuzung aus Riesling und Maligne.

Spätburgunder aus Sachsen

Kürzlich hatte ich Gelegenheit, bei herrlichstem Frühlingswetter über die Rebgärten von Schloss Proschwitz auf die Meißner Albrechtsburg zu blicken und an der Elbe Weine zu verkosten. Neben entdeckenswerten Weißweinen waren auch interessante Rote darunter. Im Gegensatz etwa zur Pfalz sind die Einstiegspreise bei sächsischen Qualitätsweinen vergleichsweise hoch, wie auch Janek Schumann, der für Sachsen zuständige Tester des Gault Millau, kritisch bemerkt. Andererseits gibt es Regionalspezifisches zu entdecken. Der Sommelier Silvio Nitzsche, Betreiber der empfehlenswerten Dresdner Weinkulturbar, sieht die Sache so:

„Die mitteldeutschen Weine sind nicht laut, sie wollen entdeckt werden. Wer sie findet, wird überrascht sein von der Vielfalt, die das von der Weinwelt stets ein wenig belächelte Mitteldeutschland zu bieten hat. Und über die Tatsache, dass dies eine Rotweingegend ist. Es gibt eine Art und Stilistik von Spätburgunder in Sachsen (…): Kühle, klare, mineralische und puristische Spätburgunder“

Spätburgunder aus Sachsen

Aus Sachsen kommen lediglich zwei VDP-Mitglieder: Schloss Proschwitz – Prinz zur Lippe und Klaus Zimmerling. Bei letzterem spielt der Rotwein eine Nebenrolle. Spätburgunder ist die einzige rote Traube, die Zimmerling anbaut, und dies vor allem zur Sekterzeugung. Versektet wird Spätburgunder auch beim für Schaumweine bekannten Staatsweingut Schloss Wackerbarth.

Das älteste noch existierende und größte Privatweingut in Sachsen, Schloss Proschwitz – Prinz zur Lippe in Zadel über Meissen, darf hingegen auch als Rotweingut gelten. Weinberge mit bis zu sechs Meter mächtiger Lössauflage auf Granit- und Syenit-Felsen bilden die Grundlage für den Anbau weißer und roter Burgundersorten. Der Spätburgunder Gutswein (23,50 Euro ab Hof) lagert 17 Monate im Barrique und zeichnet sich 2015 durch seine ziegelrote Farbe, feine rote Beerenfrucht, süße Tannine und eine bemerkenswerte Länge aus. Er ist so blitzsauber und gepflegt wie die Schlossanlagen selbst, letztlich aber auch ohne Ecken und Herausforderung. Der Kloster Heilig Kreuz Barrique trocken Erste Lage, 2016 zum ersten Mal abgefüllt, fällt in der Farbe dunkler aus und gibt sich noch sehr verschlossen (29,50 Euro). Schloss Proschwitz bietet beim Spätburgunder sogar ein Großes Gewächs an, dessen Jahrgang 2014 ab Hof 37 Euro kostet.

Martin Schwarz Spätburgunder

Aber nicht nur beim Vorzeigewinzer bekommt man Spätburgunder aus Sachsen. Weitere Qualitätswinzer an der Sächsischen Weinstraße sind beispielsweise Karl-Friedrich Aust aus Radebeul, Katharina und Matthias Schuh aus Meißen sowie Tim Strasser von Rothes Gut Meissen. Für Aufsehen sorgte Martin Schwarz, der lange Jahre bei Schloss Proschwitz für den Keller verantwortlich war und nun seinen eigenen Wein in Flaschen mit markantem Etikett abfüllt. Er produziert sogar jährlich 100 Flaschen sächsischen Nebbiolo. Seine Pinot-Reben hat Schwarz er aus dem Burgund geholt und bewirtschaftet sie im Weinberg Friedstein bei Radebeul biodynamisch. Die mengenreduzierten Erträge assembliert er mit 15% Portugieser (29,50 Euro). Das Ergebnis imponiert im Jahrgang 2014 mit satter Kirschfrucht und feiner Tabakwürze. Am Gaumen zeigt er eine deutliche Süße, die mit der robusten Säure überzeugend korrespondiert. Ein Wein, der zwar nicht an Beckers große Pinots herankommt, aber viel bietet und allen empfohlen werden kann, die auf der Suche nach spannenden Spätburgundern aus Deutschland sind.

Mehr über Wein finden Sie im Archiv.

Abbildungen: Weingut Martin Schwarz & Round Icons*

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