INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Wortwörtlich (65): Sandaletten

Vergangenes Wochenende beschäftigte sich Jennifer Wiebking in einem Leitartikel mit dem allgegenwärtigen Trend zu Flipflops, Birkenstocks, Zehensandalen und Adiletten. Der Grund dafür – so viel ist klar – liegt nicht in der Sommerhitze, denn die gab es auch schon, als Öko-Schlappen und Badelatschen noch nicht salonfähig waren. Vielmehr habe sich „das Verständnis darüber, was einen guten Sommerschuh ausmacht“ verändert. Den Hintergund dieser Entwicklung sieht Wiebking in einer immer größeren Bereitschaft, sich gehen zu lassen. Ästhetik hingegen habe damit zu tun, sich Mühe zu geben und in Form zu bringen:

„Beim Massenphänomen Sandalette geht es indes kaum noch um den Feinschliff des eigenen Auftritts. Dafür stehen die Zeichen schon zu sehr auf Bequemlichkeit. (…) Das Hotpants-Verbot an einer Werkrealschule in Baden-Württemberg sollte sagen: Zu sexy ist zu viel. Das wurde heftig kritisiert. Aber was wäre mit dem Gebot: Zu bequem ist zu wenig?“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 158 vom 1. Juli 2015, S. 1.