INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Thomas Rentmeister eröffnet Contemporary Food Lab

Heute Abend fand in Berlin-Mitte die Vernissage zu Thomas Rentmeisters Ausstellung Food Lab No 1 statt, mit der zugleich der Ausstellungsraum Contemporary Food Lab in der Bergstraße 22 eröffnete.

Contemporary Food Lab

Betrieben wird der Raum vom Gastronomen Ludwig Cramer-Klett, dessen Lokal Katz Orange auch das Catering besorgte.

INVENTUR war vor Ort, weil das CFL – anstatt bloß ein weiterer Kreativraum im Reigen der zahlreichen Berliner Kreativräume zu sein – ein Thema hat: das Konsumthema Ernährung.

Die vorzüglich gestaltete Website des Projektes startet mit einem Foto, das nichts als dunkle Erde zeigt und an Walter De Marias feuchtschwer duftenden New York Earth Room erinnert (den Rentmeister einmal mit einem Earthapfelroom voller Kartoffelchips persiflierte). Wer weiterscrollt, stößt auf das Programm des Projektes, das sich als „Plattform für eine künstlerisch-konzeptuelle Auseinandersetzung“ versteht:

„Unsere Ernährung prägt unser Verhältnis zur Natur. Unsere Kultur prägt unsere Ernährung. Jeden Tag bestimmen sich diese Verhältnisse neu. Im Contemporary Food Lab gehen wir den Verflechtungen dieser Zusammenhänge auf den Grund. Unser Ansatz ist interdisziplinär.“

Der Künstler Thomas Rentmeister arbeitet häufig mit Lebensmitteln wie Nutella und Zucker oder Konsummaterialien wie beispielsweise Wattestäbchen, auch mit solchen, die nicht nur visuell, sondern olfaktorisch ihre Wirksamkeit entfalten. „Actionpainting mit Gegenständen“ nennt er sein Verfahren, das dem Alltag unserer Spätmoderne starke Gesten abgewinnt. Muda (japanisch für Verschwendung) heißt zum Beispiel eine spektakuläre Arbeit aus dem Jahr 2011, die mit Penatencreme eingeriebene Kühlschränke, Kleidung und Verpackung zeigt.

Im Katalog zur Werk- und Formsammlung des Kölner Museums KOLUMBA schreibt der Kunsthistoriker Stefan Kraus:

„Formal minimalistisch entwickeln seine Skulpturen eine poetische Qualität, die auf eine irritierende, ja beunruhigende Weise sehr existentiell empfunden werden kann.“

Im Contemporary Food Lab teilt Rentmeister den Ausstellungsraum mit einer halbhohen Wand aus „Prinzenrollen“, die uns als einzelne Packung wie der Normalfall eines Lebensmittels erscheinen mag. Beim ersten Betrachten der Wand fällt auf, dass eine einzige Rolle nicht mit den anderen abschließt. Eine kleine Irritation? Eine Einladung zur Modifikation? Oder gar zum Verzehr? Doch da eilt der Künstler auch schon herbei und schiebt die verrückte Rolle in ihre Position. Und gibt den Blick wieder frei auf die verstörende Akkuratesse des Seriellen.

Thomas Rentmeister Contemporary Food Lab

Thomas Rentmeister Contemporary Food Lab

Ausstellung bis Ende Oktober. Eintritt frei.

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