Über Halstücher, Dieter Meier und Begg & Co

Der Konzeptkünstler, Unternehmer und Stilavantgardist Dieter Meier hat es vorgemacht: Halstücher als Krawattenersatz zu tragen. Was spricht dafür, es dem Schweizer Exzentriker gleichzutun? Und warum gibt es, wenn die Wahl auf Kaschmir fallen soll, keine besseren als die der schottischen Weberei Begg & Co?

Warum Halstücher?

Dieter Meier ist der Avantgardist des Halstuchs. Im Frankfurter Allgemeine Magazin vom 14. Oktober 2017 verrät er, warum:

„Als ich begann, Halstücher zu tragen, war das noch nicht so verbreitet wie heute und ein Zeichen, als anders erkennbar zu sein. Daraus ist dann ein Spleen geworden. Ich trage die Tücher auch in Indien bei 42 Grad kurz vor dem Monsun. Ohne Tuch hätte ich das Gefühl, nackt zu sein. Die einzigen Momente ohne Tuch sind im Süden am Meer. Da trage ich beim Hemd drei, vier Knöpfe offen. Das ist dann Freizeitkleidung, eine Art Dekolleté, dann geht das. (…) Halstücher sind eine Art Krawattenersatz und ein kleiner Sprung in die mehr oder minder offensichtliche Frivolität.“

Wie bei jedem ikonischen Kleidungsstück verbinden Halstücher praktische mit stilistischen Vorzügen: Sie schützen und wärmen, engen jedoch nicht in gleicher Weise ein wie klassische Binder. Sie setzen Akzente durch Textur, Muster und Farbe, passen aber auch zu einem formellen Hemd. Sie werten einfache Kleidung elegant auf und ermöglichen Abwechslung ohne Austausch der kompletten Garderobe. Und sie sorgen, darin dramatisch drapierten Schals vergleichbar, für eine exzentrische Note, ohne, wie Meier es betont, allzu frivolen Auftritten Vorschub leisten zu müssen. Zudem eignen Halstücher sich – ähnlich Parfums und Taschen – sehr gut als Geschenk, da sie im Gegensatz zu anderen Textilien keine Größenprobleme mit sich bringen.


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Halstücher von Begg & Co

Während man bei klassischen Foulards zuerst an das Pariser Luxushaus Hermès denken mag, und Kennern bei Kaschmirschals italienische Adressen wie beispielsweise Loro Piana in den Sinn kommen, gibt es in Schottland eine Reihe von Traditionswebereien, deren Qualität höchsten Ansprüchen genügt.

Begg & Co

Dazu zählt neben John Smedley und Johnstons of Elgin die wenig bekannte Firma Begg & Co. 1866 in Paisley, dem Geburtsort des gleichnamige Textilmusters, gegründet und seit 1902 in Ayr angesiedelt, hat Begg & Co lange Zeit Auftragsfertigung für andere Marken betrieben. Seit einigen Jahren bietet die Firma jedoch auch Produkte unter eigenem Namen an, versandkostenfrei im eigenen Webshop und äußerst liebevoll verpackt.

Begg & Co.

Das Unternehmen ist, wie Simon Crompton berichtet, die einzige Schottische Weberei dieser Größe, die sich allein auf Halstücher konzentriert. Zum Durchbruch der Marke führte eine bemerkenswerte Eigenentwicklung: der sogenannte wispy cashmere, eine 14.7 Mikron feine Wolle von Ziegen aus der Region Alashan in der Inneren Mongolei. Der daraus gewebte Stoff ist so fein und leicht, dass ein 70×70 cm großes Tuch 8 Kilometer Kaschmirfaden enthält.

Begg & Co Wispy
Begg & Co

Zwei Jahre hat die Entwicklung in Anspruch genommen. Der ideal bei Reisen, aber auch an wärmeren Tagen tragbare Stoff ist der bislang größte Erfolg der Marke. Operations Director David Woodhouse berichtet:

„The development of the Wispy goes back to 2004, it started with a conversation between myself and one of our yarn suppliers in the back of a car on the way to restaurant in Italy. We were discussing just how far you could push it in terms of making the finest, most lightweight cashmere product. How close to the edge could you go, to the point where it was so light and wispy (the name stuck) before it was impractical to make? That was the challenge I put to the yarn supplier. He came back with the idea of using a very, very fine cashmere thread spun from a fantastically fine cashmere fibre of which there is very little on the market. He said that the resulting yarn is way too fine to weave however he had this idea of a technique where we could use a supporting thread on the yarn that would help it through the weaving but that would later be dissolved in the finishing process (…) At first it was a complete disaster – hopeless. I nearly gave up so many times along the way because it wasn’t working and every trial cost a lot of money. But eventually we perfected it. The supporting thread [for the delicate cashmere yarn] is actually a hardened PVA glue spun into a thread, which we then twist with the cashmere. The resultant thread is quite strong so we can weave it. After it is woven, we treat the fabric in an aqueous solution at a high temperature and the supporting thread transforms into liquid form and disappears. It leaves behind this very fine cashmere that otherwise you would not be able to weave.“

Die mit 135 Pfund günstigste Möglichkeit, dieses ungewöhnliche Produkt kennenzulernen, besteht in der Wahl des Wispy, das Begg & Co zusammen mit Simon Cromptons Blog Permanent Style entwickelt hat.

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Fotos: © Begg & Co