INVENTUR macht Inventur (5): Final Sale

Alte Kassenzettel sind Spickzettel der eigenen Biografie: ein Leben, abgebildet auf Belegen, Kreditkartenabrechnungen und Kontoauszügen. Was war es, das ich 2007 in Paris gekauft habe? Was 2004 bei Meinl am Graben in Wien? Bin ich wirklich schon mehr als zehn Jahre Kunde bei yoox.com?

Auch manche Verpackung – etwa die mit dem Vögelchen von Susanne Kaufmanns Sonnencreme (die einzige übrigens, die für Sonnencremehasser gemacht ist: sie zieht ein anstatt das Gesicht weiß zu tünchen, hinterlässt keine Flecken auf der Kleidung und riecht nicht nach Kokos) – löst Erinnerungen aus: In welchem Sommer habe ich dieses Produkt entdeckt? Und was ist davon zu halten, dass Erinnerungen sich bisweilen so eng mit Waren verknüpfen?

INVENTUR wird anders. Wie, verrate ich in den nächsten Wochen. Mit der fünften und letzten Folge unseres Kehraus sind die Notizbücher geleert, bevor es mit neuem Konzept und neuem Design weitergeht. Zum Abschluss ein letztes Zitat, natürlich von F. Scott Fitzgerald, dem Meister der Wohlstandsmelancholie, der sich in My Lost City an das New York der 1920er Jahre erinnert:

„Und als Letztes entsinne ich mich aus jener Zeit einer nachmittäglichen Taxifahrt zwischen sehr hohen Gebäuden und unter einem flieder- und rosenfarbenen Himmel; ich fing an herumzuschreien, weil ich alles hatte, was ich wollte, und wusste, dass ich nie wieder so glücklich sein würde.“

Quelle: F. Scott Fitzgerald: Früher Erfolg. Über Geld und Liebe, Jugend und Karriere, Schreiben und Trinken. Zürich: Diogenes Verlag 2012, S. 192.