INVENTUR

Der Blog von Dirk Hohnsträter



Acht Wege, ein glücklicherer Konsument zu werden – Nachtrag

In den vergangenen acht Wochen habe ich den Aufsatz „If money doesn’t make you happy, then you probably aren’t spending it right“ [Journal of Consumer Psychology 21 (2011), 115–125] der Psychologen Daniel Gilbert, Elizabeth W. Dunn und Timothy D. Wilson diskutiert. Zusammen mit Michael Norton, einem Professor an der Harvard Business School, hat Elizabeth Dunn die Überlegungen zu einem Buch erweitert: Happy Money. The New Science of Smarter Spending. Lohnt sich die Lektüre?

Das Buch setzt mit einer interessanten Beobachtung ein:

„When it comes to increasing the amount of money they have, most people recognize that relying on their own intuition is insufficient, spawning an entire industry of financial advisors. But when it comes to spending that money, people are often content to rely on their hunches about what will make them happy. And yet, if human happiness is even half as complicated as the stock market, there is little reason to assume that intuition provides a sufficient guide.“

Im Gegensatz zu Gilbert et al. stellen Dunn & Norton nicht acht, sondern nur fünf Prinzipien glückszuträglichen Kaufens auf. Des weiteren diskutieren sie staatliche Einflussmöglichkeiten auf die allgemeine Lebensqualität. Beinahe alle Ratschläge des Aufsatzes und viele dort zitierte Studien werden auch im Buch angeführt. Drei davon stimmen sogar gänzlich mit denen des Aufsatzes überein, werden allerdings ausführlicher dargestellt und vertieft. Es handelt sich um folgende:

Kaufe Erlebnisse.

Zahle jetzt, genieße später.

Gib Geld für andere aus.

Die beiden zusätzlichen lauten:

Regel 9: Sorge dafür, dass das Konsumierte etwas Besonderes bleibt

Und:

Regel 10: Kaufe Zeit

Der erste neue Rat hat eine gewisse Nähe zu der im Aufsatz vorgeschlagenen Regel, lieber viele kleine Freuden als eine große Sache zu erwerben. Abnutzungseffekte sind auch hier der Kernpunkt der Argumentation. Es macht einen Unterschied, sagen die Autoren, ob der nachmittägliche Kaffee eine routinemäßige Notwendigkeit oder einen gelegentlichen Genuss darstellt:

„When something wonderful is always available, people are less inclined to appreciate it. Limiting our access to the things we like best may help to ‚re-virginize‘ us, renewing our capacity for pleasure.“

Der Einsicht, dass der größte Feind des Guten des Guten zuviel sei, folglich vorübergehender Verzicht die Genussfähigkeit wiederherstellt, kann man sicherlich zustimmen. Interessant ist zudem die Wendung, dass die nur kurzfristige Verfügbarkeit von Attraktionen und die Variation von Konsummustern glückssteigernd wirken können. So gesehen, liest sich die Regel wie ein Plädoyer fürs Reisen, das vorübergehende Verfügbarkeit mit Abwechslung vom Alltag verbindet. Und sie erklärt, warum manche Firma beliebte Produkte zeitweilig vom Markt nimmt – um sie später für kurze Zeit wieder aufzulegen.

Besonderes

Der zweite neue Rat, kaufe Zeit, darf nicht nur als Plädoyer für Reinigungsdienstleistungen und gegen zeitfressende Pfennigfuchserei verstanden werden. Er wirft das weitreichende Thema des Zeitwohlstandes auf:

„Wealthier individuals tend to spend more of their time on activities with relatively high levels of tension and stress, such as shopping, working, and commuting.“

Als Anwendungsregel formulieren Dunn & Norton daher den Rat, sich vor jedem Kauf zu fragen:

„How will this purchase change the way I use my time?“

Noch konkreter:

„How will the purchase affect you on Tuesday?“

Auf diese Weise werde das „dominant mind-set“ vom Geld auf die Zeit verschoben – während umgekehrt etwa die Bezahlung in Stundenlohn das Bewusstsein aufs Geld ausrichte.

Happy Money

Zahlreiche Studien belegen: Ab einem gewissen Schwellenwert haben weitere Einkommenszuwächse keine weitere Steigerung des alltäglichen Glücksempfindens mehr zur Folge. Spätestens jetzt greifen die Klugheitsregeln der Glücksforscher, etwa diejenige, Erlebnisse Dingen vorzuziehen, da das Unterbleiben ersterer ebenso häufig bedauert wird wie die Anschaffung letzterer. Zugleich müssen solcherlei Ratschläge nuanciert werden. Um beim Beispiel zu bleiben: Fehlkäufe werden gewiss bereut, umgekehrt können die richtigen Anschaffungen durchaus dauerhaft Freude bereiten. So liegt die generelle Schwäche des Buches denn auch darin, dass die Empfehlungen, die die Autoren aus empirischen, zumeist aus dem us-amerikanischen Kontext stammenden Studien ableiten, in ihrer Reichweite und ihrem normativen Wert nicht stärker reflektiert werden. Auch als Darstellungsprinzip wirkt das Aneinandereihen von Fallstudien – bei aller Lebendigkeit des Stils – bisweilen ermüdend und seltsam positivistisch. Dennoch fällt dieses Buch in der Fülle der Ratgeberliteratur wohltuend auf, geht es doch nicht von starken, vermeintlich lebensumwälzenden Thesen aus, sondern von klug kompilierter Forschung.

Elizabeth Dunn & Michael Norton: Happy Money. The New Science of Smarter Spending. New York: Simon & Schuster 2013. 224 Seiten. 25 USD.

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